Abwässer machen Korallen krank

Nährstoffe sorgen für Infektionen bei Polypen - Genaue Ursachen bleiben
unklar

Chapel Hill (pte, 12. Januar 2004 11:01) - US-Forscher haben bei Korallen
in der Karibik festgestellt, dass Nährstoffe aus Abwässern
Korallenpolypen krank machen. Pilzerkrankungen sorgen dafür, dass die
Korallen langsam, aber sicher sterben, berichten die Forscher in der
jüngsten Ausgabe der Ecology Letters. Immer noch tappen die
Wissenschaftler aber im Dunkeln was die genaue Ursache der Epidemien am
Riff ist, schreibt das Wissenschaftsmagazin New Scientist
http://www.newscientist.com in seiner jüngsten Ausgabe.
"Wir haben eindeutige Ergebnisse, dass der Nährstoffeintrag die Korallen
krank macht", so Forschungsleiter John Bruno von der University of North
Carolina in Chapel Hill http://www.marine.unc.edu . Bekannt ist in der
Zwischenzeit auch das Ausmaß der Katastrophe: Mehr als 80 Prozent der
Korallen in der Karibik sind in den vergangenen 20 Jahren erkrankt.
Betroffen sind auch Riffe in Regionen, in denen geringere
Umweltbelastungen auftreten. Die Wissenschaftler haben insbesondere zwei
Erkrankungen an den Lebewesen untersucht: Aspergillosis, eine
Pilzerkrankung, die vor allem Weichkorallen und Meeresfächer befällt und
die Yellow-Band-Disease, eine Erkrankung, die riffbildenden Hartkorallen
betrifft.
In Feldversuchen hat das Forscherteam von Bruno festgestellt, dass bei
Erhöhungen der Nährstoffe durch Dünger das Immunsystem der Korallen
massiv geschwächt wird. "Das konnten wir sowohl bei Meeresfächern als
auch bei Hartkorallen deutlich erkennen", so Bruno. "Die untersuchte
Hartkoralle der Spezies Montastraea wächst extrem langsam und ein
Korallenstock braucht hunderte Jahre, um eine stattliche Größe zu
erreichen", erklärt der Experte. Offensichtlich sorgen die reichen
Nährstoffe, die sonst in den tropischen Gewässern eher spärlich vorhanden
sind, für die Zerstörung der Korallenpolypen. Andere Forscher glauben,
dass das unkontrollierte Algenwachstum die Korallen sozusagen verdrängt.
Die Forschungsergebnisse werden Öl ins Feuer der australischen Politiker
gießen, meinen Experten. Denn das größte Riffsystem der Welt, das
Barriere Reef vor der Küste von Queensland soll nach Meinung der
Öffentlichkeit unter noch besseren Schutz gestellt werden. Dazu sollen
vor allem Freizeitaktivitäten eingeschränkt werden. Gefährdet ist das
mehr als 1.200 Kilometer lange Riff durch Abwässer aus dem
Zuckerrohranbau und den zahlreichen Rinderfarmen. Aber auch hier gehen
die Meinungen der Forscher weit auseinander: der australische Ökologe
Peter Ridd von der James Cook University in Townsville sieht am Barriere
Reef wesentlich geringere Nährstoffeinträge als bei den Versuchen der
Forscher in der Karibik. Außerdem seien die Korallen noch relativ gesund.
Umweltschützer argumentieren, dass die Landwirtschaft am Barriere Reef
bereits heute ihren Tribut fordert. Das sei besonders an Riffen nahe der
Küste deutlich erkennbar, denn dort habe die Biodiversität in den
vergangenen Jahren rapide abgenommen. Clive Wilkinson, Korallenexperte am
Australian Institute of Marine Life sieht die Zukunft der Riffe aber vor
allem durch eine Vielzahl an Faktoren gefährdet: Krankheiten,
Umweltverschmutzung und globale Erwärmung sind der Tod der Korallenriffe.
"Es gibt keinen Grund den Panikknopf zu drücken, aber eine gewisse
Nervosität ist schon vorhanden", so Wilkinson.

Weitere Informationen: http://www.coralreef.noaa.gov
Aussender: pressetext.austria
Redakteur: Wolfgang Weitlaner